24.10. Anna Magdalena

Gesänge aus der Messerschmiedegasse

Ein Abend für Anna Magdalena Bach
Sa. 24.Oktober | 19:00 | Eintritt frei


Es gibt in Zeitz eine Kirche, die lange niemand betrat. Die Mauern verzeichneten die Jahre genau, als sei es ihre Pflicht. Dann öffnete jemand die Tür, ohne Auftrag, aus eigenem Entschluss. Seitdem finden dort Veranstaltungen statt, und die Kirche scheint dies hinzunehmen.

In derselben Stadt wurde am 22. September 1701 ein Kind geboren, in der Messerschmiedegasse, deren Name nichts Musikalisches an sich hat. Der Vater blies die Trompete am Hof von Sachsen-Zeitz, die Mutter kam aus einem Organistenhaus. Das Kind hieß Anna Magdalena Wilcke. Gesungen wurde damals nicht nur bei Hofe, sondern auch in den Stuben, beiläufig und beharrlich, so wie man atmet.

Spätestens 1718 zog die Familie nach Weißenfels. Dort wurde das Kind zur Sängerin, ohne dass jemand den Zeitpunkt hätte benennen können. 1721 erscheint ihr Name in den Akten des Hofes zu Köthen, wo ein Mann namens Bach Kapellmeister war. Im Dezember heirateten die beiden. Von da an trug sie seinen Namen und sang weiter mit ihrer eigenen Stimme.

Geblieben ist ein Notenbuch, das ihren Namen trägt und doch nicht ganz ihr gehört, denn viele Hände haben darin geschrieben. Ein Faden führt von dort zurück nach Zeitz: Schlosskantor Georg Christian Schemelli gab 1736 ein Gesangbuch heraus, an dem Bach mitarbeitete.

Das Konzert folgt diesem Faden. Es erklingen Werke von Händel, Krieger und Telemann sowie Lieder aus dem Notenbüchlein, darunter „Bist du bei mir“. Es ist Hausmusik in einem Haus, das lange keines mehr war.

Ein Raum kann seinen Klang verlieren. Es kann aber auch geschehen, dass irgendwo eine Stimme einsetzt. Danach weiß der Raum nicht mehr, was er vorher war.